


10.03.2007, Kap Horn
Nun also Kap Horn – unser großes Ziel am Ende der Welt. In Punta Arenas angkommen haben wir uns gleich mit DAP-Airlines in Verbindung gesetzt. Und wurden dort auf ein Geduldspiel vorbereitet. Schuld, wie sollte es auch anders sein, war das stürmische Wetter. Erst eine Absage für die nächsten 24 Stunden. In der darauf folgenden Nacht eine weitere definitive Absage für den kommenden Tag. Doch am Vormittag der Anruf, wir müssten unverzüglich starten. Es könnte sonst in den kommenden Tagen nicht mehr klappen…
Ja, es war grandios! Ja, es war fantastisch. Und ja, es war stürmisch! Am Anfang der Flug über die zur Abwechslung mal ruhige Magallanstraße . Gefolgt vom Überflug des Darwinschen Gletscherschildes. Alles noch mit viel Sonne. Bei der Zwischenlandung in Puerto Williams wurde der Helikopter per Hand aus dem Fass aufgetankt. Und dann wurde es ruppig, sehr stürmisch (80 km/h Windgeschwindigkeit). Beinahe hätte der Flug abgebrochen werden müssen, weil der Hubschrauber in Gefahr lief, manövrierunfähig zu werden. Der Pilot hat drei Anläufe zum Landen auf Kap Horn gebraucht. Und uns dann maximal 15 Minuten gegeben. Ansonsten hätten wir keine Chance mehr für den Rückflug gehabt...
Der Militärsoldat, der auf Kap Horn stationiert ist (lebt dort zusammen mit seiner Frau und seinem 3-jährigem Sohn, kommt 16 Monate lang nicht weg von hier), hat schon nicht mehr mit unserem Kommen gerechnet. Umso größer die Freude bei ihm, hatten wir doch die ganze Verpflegung an Gemüse und Obst für die nächsten Wochen für ihn dabei.
Sei es drum, alles ist gut gegangen, es ist halt das Reich der Sturmwinde.
Die Erlebnisse, Begegnungen sind gesammelt, gefilmt. Jetzt kommt in den nächsten Wochen die Zeit, sie in Geschichten fürs Fernsehen aufzubereiten. Vom 26. bis 31. März könnt Ihr täglich (außer am 30. März) von 19.50 bis 20.15 das Ergebnis in einer fünfteiligen Reportage im MDR-TV sehen. Außerdem werde ich bereits am 16. März in der MDR-Talkshow Riverboat zu Gast sein.
Habt Dank, die Ihr mitgefiebert habt, die Ihr uns mit Euren Gedanken und manch einer Mail unterstützt habt.
Dank auch all denen, die diesen Film möglich gemacht haben. Im Vorfeld und während der Reise selbst. Ich werde mich mit einem guten Film revanchieren, der vor allem die Herzen und Seelen der Menschen portraitieren wird, die wir treffen durften. Und zudem diese oftmals grandiose Landschaft zeigen wird.
Himmelwärts ins Reich der Sturmwinde - seid mir herzlich gegrüßt!
Euer Thomas Junker
03.03.2007, Patagonien, Rio Verde
Der Wind ist unser treuer Begleiter. Manchmal streicht er leicht übers Land, meist ist er jedoch stürmisch bis brachial. Vor ein paar Tagen wollten wir per Fähre vom Festland auf Feuerland übersetzen. Es blieb beim Versuch. Rund 100 km/h Windgeschwindigkeit haben die Magallanstraße in ein weiß schäumendes Wellenbad umgewandelt. Schön zum Anschauen, mehr aber nicht. Eine große Schafschuranlage wollten wir u.a. auf Feuerland besuchen. Schafe haben wir dennoch gefunden. Sie gibt es reichlich in Patagonien. Auf der Estancia Rio Verde haben sie uns gezeigt, wie sie den Tieren ihr dickes Fell abnehmen. Und uns die immer schwierigere wirtschaftliche Lage erläutert. Die Textilindustrie in Südamerika ist weitgehend zerstört, seit China mit billigsten Waren die Welt überschwemmen darf. Ergo fehlen die Abnehmer vor Ort; muss die Wolle teuer bis nach Asien transportiert werden. Vor allem kleinere Schaf-Estancias kämpfen derzeit ums Überleben. Unter 10.000 Tieren lohnt der Betrieb kaum mehr.
Einen Tag zuvor durften wir noch eine kleine Kolonie mit Magallan-Pinguinen besuchen und filmen. Die Jungtiere haben sich gerade aus den geschützten Dünenbereichen zum Strand gewagt. Schöne Bilder!
Der Sturm hat übrigens auch eine schöne Seite. Es ist diese klare Luft, die eine grandiose Tiefe des Himmels der der schöne Landschaft ermöglicht. Nein, ich kann mich an diesem Naturschauspiel nicht genügend satt sehen.
24.02.2007
Nun also P A T A G O N I E N! Einfach wunderbar. Aber nicht nur, weil hier die Berge so grandios sind, weil die Winde heftiger wehen, als sonst wo auf der Erde (was das Filmen nicht gerade leichter macht…), weil die Einsamkeit zwischen den wenigen Ansiedlungen gewaltig ist. Nein, es ist dieses Gefühl, dieses einzigartige Gefühl. dass dieser Landschaft entspringt. Da sind wir die Schotterpiste Caraterra Austral südwärts durch Chile gefahren. Haben den so genannten kalten Regenwald mit seinem fast unersättlichem Grün erleben dürfen. Haben Neuschnee bis tief in die Täler erlebt. Aber dann fährst Du über die Grenze nach Argentinien, also ostwärts für rund 200 km, und die Landschaft verändert sich völlig. Wo vorher Grün dominiert hat, beansprucht Braun und Grau den gesamten Horizont. Doch keinen Fahrtag später ist das Weiß der Gletscher, das Türkis der Seen so faszinierend, dass einem eigentlich die Worte fehlen… Hügel, unendliche Weiten, dazu ein verwegenes, sich ständig änderndes Wolkenspiel. Aber keine massiven, bedrohenden Wolken. Es sind die feinen, fast zärtlich in den Himmel geschriebenen Zeichen der Natur. Und darunter, majestätisch thronend Cerro Tore und Fitz Roy. Ganze Bergsteigergenerationen haben hier in dem kleinen Weiler El Chaltén Wochen verbringen müssen, um diese beiden Gipfel frei von Wolken erblicken zu dürfen. Und wir? Kommen vom Nordosten gefahren und dürfen bereits aus 100 km Entfernung die Kulisse genießen. Ich fühle mich an die Momente am Mount Everest in den Jahren 2001 und 2004 erinnert.
Da waren die Götter (zumindest die für das Wetter verantwortlich sind) auch mit uns sehr gnädig.
Während ich Euch das schreibe, weht draußen der Wind mit Böen jenseits der 100 km/h. Ich hab das so gewollt. Himmelwärts ins Reich der Sturmwinde. Wunderbar!
17.02.2007, Pisco in Coqiumbo
Inzwischen sind wir 1000 km südlich von Santiago de Chile am Ende der geteerten Straßen Chiles in Richtung Süden angelangt. Puerto Montt heißt die Stadt am Pazifik. Alles ist nun grün. Und deutsche Spuren haben wir reichlich gefunden.
In Santiago haben wir Carla getroffen. Aus Sachsen ist sie, genauer gesagt aus Glashütte. Ihre Eltern haben in der berühmten Uhrenmanufaktur gearbeitet. Sie hingegen ist der Liebe wegen nach Chile ausgewandert. Bei den Vorbereitungen für diesen Film hat sie uns unterstützt. Als kleinen Dank bringen wir ihr nun Hallorenkugeln mit. Eine ganze Kiste voll. Es war ihr größter Wunsch.
Santiago hat einen wunderbaren Markt. Da wird mit allem gehandelt. Gemüse, Fleisch, Haushaltswaren, Kleidung, Bücher, Käse und Fisch. Carla nimmt uns mit bei ihrem wöchentlichen Einkauf. Und kocht anschließend ein typisches südchilenisches Gericht - Curanto . In einem großen Topf kommen ganz unten ein paar Kohlblätter hinein. Und dann wird geschichtet: Miesmuscheln, Jakobsmuscheln, Hühnerbeine, Schweinekoteletts, Rinderfilet, Fisch, Meeresfrüchte und Brühwürste. Dazu 1 ½ Liter Weisswein, ein bisschen Salz. Mehr nicht. Nein, am Anfang wollte ich nicht glauben, dass das schmecken kann. Aber dann… einfach lecker!
Die defekte Kamera - ein Hitzschaden, entstanden in der Atacama auf 5000 m Höhe (die -53 Grad in Sibirien hat sie besser verkraftet) konnten wir auch in Santiago reparieren lassen.
Südlich von Santiago kommt man sich vor wie in einem großen Obst-, Gemüse- und Weingarten. Zumindest für die ersten 500 km. Eine Wohltat für die Augen nach all den farblich kargen Tagen im Norden Chiles. Obwohl, die Aacamawüste war schon sehr faszinierend…
In Valdivida stehen wir vor dem ältesten Familienbetrieb des Landes. 1853 gegründet wird hier noch immer das gemacht, was schon am ersten Tag angesagt war. Weizen wird zu Mehl verarbeitet. Drei Jahre zuvor wurde der Ort von 7000 (!) deutschen Auswanderern gegründet. Und so verwundert es nicht, dass auch die Mühle deutschen Ursprungs ist. Leicht hatte es die Familie Kunstmann-Schwarzenberg nie. Während der Weltkriege durfte kein Mehl gemahlen werden. Chile war auf dem Papier im Kriege mit Deutschland, da durften alle ehemaligen Deutschen im Lande keinen Geschäften nachgehen. Und ein schweres Erdbeben zerstörte 1960 fast völlig Valdivia . Mehr als ein Jahr war der Ort von der Außenwelt abgetrennt.
In Frutillar kommt uns dann so gut wie nichts mehr spanisch vor. Deutsche Schilder – wo wir auch immer hinschauen. Doch heute ist das mehr Geschäftssinn denn tatsächlich deutscher Natur. Kaum einer spricht hier noch deutsch. Aber Schilder, auf denen Wörter wie Bauernstube, Kuchenladen und Hotel Frau Holle stehen, sind bei chilenischen Touristen sehr gefragt. Allerdings, der Apfelstrudel im Kuchenladen ist hervorragend!
Nun geht es auf die Carretera Austral gen Patagonien. Und damit in den so genannten "kalten Regenwald".
10. Februar 2007, Geysire von El Tatio
ALMA Projekt, Chuquicamata – das größte von Menschenhand geschaffene Loch auf Erden, eine Dresdnerin, die uns einen Teil der Geschichte Chiles erklärt und die Geysire von El Tatio . So ließe sich kurz das Erlebte in der Atacamawüste seit der letzten Woche zusammenfassen. Die Realität sieht anders aus, lässt sich nicht kurz fassen. Jeder Tag bringt nicht nur etliche Minuten Rohmaterial für meine Fernsehreportage, sondern auch fast unbeschreiblich viele Eindrücke und Begegnungen, die manchmal (aufgrund der Fülle) nur mühsam auf den Biofestplatten im Kopf und im Herzen zu speichern sind.
Chuquicamata, ein von Menschenhand gegrabenes Loch, so groß, dass die Dimensionen verschwimmen zu scheinen: 5 mal 1,5 Kilometer ist oben der Durchmesser, die Tiefe wird mit fast 1000m angegeben. Und sie haben noch so viel Kupfer in der Erde, dass sie allen Ernstes in den nächsten 20 Jahren gedenken, das Loch auf 15 km Länge und 5 km Breite auszudehnen. Eine ganze Stadt wird dafür verschwinden.
Mitten in der gnadenlos trockenen Wüste liegt die ehemalige Salpetermine Chacabucu . Bis in die 50er Jahre hinein haben sie hier die Erde umgegraben, dann lag alles brach. Bis Pinochet die Abgeschiedenheit der Mine für seine Zwecke entdeckt hatte. Nach seiner Machübernahme ließ er hier für 2 Jahre ein KZ für politische Häftlinge einrichten. Bei den Dreharbeiten haben wir eine junge Frau aus Dresden getroffen: Maria Schöne. Der Liebe zu einem Chilenen wegen wohnt sie ein paar Kilometer weiter in einem winzigen Weiler. Und arbeitet nun als Wissenschaftlerin die doppelte Geschichte Chacabucus auf.
In 5000m Höhe haben wir Nahe der Wüstenoase San Pedro de Atacama das neuste Projekt in Sachen Himmelserforschung filmen können. ALMA steht für 64 Radioteleskope, die dort oben flexibel und mit je einen Durchmesser von 12 m installiert werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen. Eine Antenne steht schon, ab 2010 soll kräftig das All abgehört werden. Ziel der Wissenschaftler, sie wollen rausfinden , wie die erste Galaxie entstanden ist.
Am nächsten Morgen haben wir gar irdisch in der Früh um 6 Uhr die Geysire von El Tatio bestaunen wollen. Man könnte das Ergebnis mit viel Rauch um nichts beschreiben, wäre da nicht diese eigenartige, wunderbare Stimmung im Morgengrauen auf 4400m Höhe. Die Geysire selbst wollten nur 1 bis 2 m hoch sprudeln, die Wasserdampfsäulen dagegen stiegen viele schöne Meter gen Morgenhimmel auf.
Nun, nach all den Wochen in der Atacamwüste (die für mich als Wüstenfan grandios viele Gesichter hat) freuen wir uns auf Zentralchile. Dort dürfte ein Festmahl für die Augen angesagt sein: Grün, eine Farbe, die in der Atacama nicht existiert. Grün in Hülle und Fülle. Dazu der Duft der Vegetation. Berauschend schön allein die Vorstellung!
03. Februar 2007, Aucanquilcha
Nach den Tagen in La Paz sind wir über das Altiplano nach Chile gefahren. Haben uns dort in Arica und Iquique für 3 Nächte am Pazifik einquartiert, um tagsüber immer hoch in die Berge zu fahren. Abseits der wenigen Hauptstraßen haben wir abgelegene Dörfer, gigantische und moderne Bergbaubetriebe (selbst in 4800 m Höhe), rauchende Vulkane und leider auch einen erloschenen Geysir gefunden. Die Pisten sind zum Teil sehr abenteuerlich. Dort, wo Bergbau betrieben wird, gibt es beste Straßen. Ansonsten darf man nicht all zu viel erwarten. Muss man auch schon mal einen alten, nicht mehr benutzten Bahndamm über ein Tal nutzen, weil die Brücke der Piste eingebrochen ist.
Nicht mehr existent im obersten Teil ist auch die höchste Piste der Welt. Diese führte einst "himmelwärts" zum Gipfel des Aucanquilcha, weil dort auf 6100 m Schwefel abgebaut worden ist. 1993 wurde der Betrieb eingestellt und damit auch die Pflege der Piste. Bis 5520 m kommt man heute noch nach oben (danach ist die Piste leider unpassierbar weil verschüttet). Allerdings zum Teil recht mühsam. Lawinen, Felsstürze, Schneeschmelze und Regen haben der Strecke sehr zugesetzt. An manchen Stellen hat man gerade mal Spurbreite Platz, an anderen Stellen sind Furchen bis zu einem Meter.
Amincha am Fuße des Berges, dort wo einst einige hundert Bergleute wohnten und das Schwefelgestein bearbeiteten, ist heute eine zerfallene Geisterstadt. 4 Familien leben noch dort. Unter ihnen der einstige Betriebsleiter. Er kann "sein" Dorf und das Werk nicht verlassen. Passt auf, dass nichts geklaut wird. Und wartet mit seinen über 70 Jahren ansonsten auf die Zeit nach dem Leben…
28. Januar 2007, Titicacasee
Über Tucuman und Purmamarka, das in der traumhaft schönen Quebra de Huamanca (dort erstrahlen die Felsen in sieben verschiedenen Farben) liegt, haben wir den Norden Argentiniens erreicht. Und somit ist die dünne Höhenluft der Anden nun unser ständiger Begleiter. Wir haben Glück, sie bekommt uns gut und von der gefürchteten Höhenkrankheit sind wir bisher auch verschont geblieben.
Die Salinas Grandes (ein Salzsee) liegen auf 3400 m Höhe. Ich erwähne das deshalb, weil sie hier oben Salz abbauen. Teilweise mit Hilfe von Baggern. Größtenteils aber wird das begehrte Kristall per Hand abgebaut. Im gleißenden Licht, bei großer Wärme tagsüber und meist heftigen Winden ist dies eine sehr harte Arbeit.
Für mich war schon der Drehtag reichlich anstrengend. Aber wir sind danach retour nach Purmamarka gefahren. In ein kleines Hotel. Die Salzarbeiter dagegen bleiben Wochen lang bei ihren Salzlöchern. Übernachten in halboffenen, sehr kleinen Höhlen, die sie sich aus Salz gebaut haben. Und die sie nur vor dem Wind schützen, nicht aber vor der Kälte in der Nacht.
Nach dem Grenzübergang zu Bolivien mussten wir uns um unser Expeditionsauto kümmern. Der Zusatztank hatte zwei Risse bekommen, verlor Benzin und musste deshalb abgeklemmt werden. Die weiteren Tagesetappen werden so zum Teil zum Rechenspiel, da die Tankstellendichte nicht immer die beste ist. Aber wir haben ja noch 4 Ersatzkanister dabei, das sollte gerade so reichen.
Dann La Paz – es ist schon eine mächtig beeindruckende Stadt. Wie sie sich von der Tiefe (3300m) des Tales bis hinauf auf das Hochplateau des Altiplano (4100m) zieht. Unten, also dort wo der Sauerstoffgehalt in der Luft besser ist, wohnen die wohlhabenden Leute. Die anderen, und diese sind die Mehrheit, haben sich zum Teil in abenteuerlicher Weise ihre Häuser an den steilen Hängen errichtet.
Die Stimmung ist derzeit (nicht nur in La Paz) in Bolivien sehr angespannt. Keiner wagt eine Prognose für die Zukunft. Die wirtschaftliche Lage ist sehr angespannt, die Schere zwischen wenigen Wohlhabenden und den Armen ist sehr groß. Viele befürchten deshalb einen Bürgerkrieg. Auch weil die Regionen, in denen Boliviens Rohstoffe lagern, sich nur zu gerne abspalten würden. Boliviens Präsident Evo Morales würde gerne einen sozialistischen Staat errichten. Merkt aber inzwischen, dass seine Verstaatlichungswelle nicht funktioniert. Zum einen liegt das am chaotischen Rechtssystem des Landes, zum anderen wird inzwischen nicht mehr ein Euro in Bolivien investiert – schon gar nicht von ausländischen Firmen. Also hat er die Verstaatlichungsaktion abgeblasen und begnügt sich mit einer besseren Gewinnbeteiligung. Was aber seinem Vize nicht gefällt. Der ist nämlich ein bekennender Kommunist… Es bleibt spannend in Bolivien.
Am Titicacasee haben wir die Schilfbootbauer gefunden, die für Thor Heyerdahl die Boote Ra II und Tigris gebaut haben. Noch heute leben sie vom Schilfbootbau und haben uns einen tiefen Einblick in die Technik gegeben.
Faszinierend ist die Landschaft. Auf der einen Seite diese gewaltige Hochfläche des Altiplano, und dann diese wunderbaren Berge!! Und die Salzseen – manch einer voller Flamingos. Und am Ufer grasen meist Lamas.
20. Januar 2007, Jesus Maria
Nun sind wir also mittendrin in Argentinien. Der Ärger mit dem Zoll in Buenos Aires ist ausgestanden.
Auch wenn es dann doch noch viel länger gedauert hat. Die Lust der Zollbeamten war stark begrenzt, zudem gab es von der Regierung kurzerhand 2 Tage Sonderurlaub. Und da wir keine Anstalten gezeigt haben, unser Auto samt Ausrüstung als Lebensmittel zu deklarieren, und auch nicht bereit waren dementsprechend erhöhte Abfertigungsgebühren zahlen zu wollen, durften wir also die Tage in Buenos Aires ohne Auto verbringen.
Ging auch.
Und so haben wir (per Taxi) Tierra Santa kennen gelernt, einem Disneypark für Bibelfeste (hier kann man entscheidende Stellen aus dem Neuen Testament in einer Art nach gebautem Jerusalem erleben, und alle 30 Minuten die Auferstehung des Herrn erleben). Waren bei Cartoneros, die als Folge der großen Wirtschafts- und Bankenkrise in Argentinien Anfang des Jahrzehnts ihr Hab und Gut verloren und heute als Müllsammler um ihr Überleben kämpfen.
Inzwischen regnet es jetzt zwar jeden Tag, aber nie den ganzen Tag lang. Und so können wir uns auf das konzentrieren, was uns am Herzen liegt. Gute Geschichten finden und sie in Bildern einfangen.
Die Nächte in Argentinien haben es in sich. Gefeiert wird grundsätzlich nach 22.00 Uhr. So richtig los geht es aber erst um Mitternacht. Wenn der Argentinier dann mal richtig in Fahrt ist, geht die Party mindestens bis zum Morgengrauen. Das haben wir auch hier in Jesus Maria erlebt – beim nationalen Gauchofestival. In dem kleinen Städtchen bei Cordoba zeigen die Gauchos beim Rodeo ihr Können. Und das so gut, dass 10 Tage lang immer rund 30.000 Zuschauer dabei sind. Das wollten wir natürlich sehen. Als wir aber gegen 21.00 da waren, gehörte das Stadion uns noch fast alleine. Eine Stunde später gab es ein Feuerwerk und gegen Mitternacht war schließlich kein Platz mehr zu bekommen.
In den kommenden Tagen werden wir in den Norden Argentiniens reisen, zu den Salzseen nahe Purmamarka und in die Quebra de Huamanca. Himmelwärts wird es führen, hinauf in die Anden und nach Bolivien – zum Titicacasee.
13. Januar 2007, Buenos Aires
Jetzt geht es also langsam los. Langsam, weil wir mit dem Zoll hier in Buenos Aires so unsere liebe Müh und Not haben. Unser Auto ist per Schiff nach Buenos Aires gekommen, allerdings nur bis in den Hafen und dort zum Zoll.
Der hat großzügig zu sich selbst zwei Tage Sonderurlaub eingelegt und hat es auch sonst nicht ganz so eilig mit der Fracht aus Deutschland. Wohl auch, weil wir uns nicht auf erhöhte ?Abfertigungsgebühren? eingelassen haben. Nun denn, spätestens morgen sollen wir unser Expeditionswagen haben.
Buenos Aires ist auch ohne Behördengänge eine sehr interessante Stadt. Der Tango prägt die Nacht. Einer Milonga durften wir beiwohnen. Es ist dies eine Tangoveranstaltung für Jedermann, vorausgesetzt natürlich, man beherrscht die richtige Schrittfolge und bringt die emotionale Verbundenheit für diesen Tanz mit. Der Abend beginnt dabei gegen 21.00 mit einem Tanzunterricht. Gegen 24.00 Uhr kommen die, die dies nicht mehr brauchen und die Stimmung erreicht meist gegen 2.00 Uhr einen ersten Höhepunkt, wenn einem professionellen Tanzpaar allein die Tanzfläche gehört. Wenn draußen schließlich gegen 6.00 Uhr die Sonne die Straßen in ein sanftes Morgenlicht taucht, dann erst endet eine Milonga.
Für uns stehen in den nächsten Tagen diese Sachen auf dem Programm:
In Buenos Aires die Themen Cartoneros, das Buchprojekt Eloisa, der Biebelpark (ja so etwas gibt es hier!) und dann Fahrt nach Jesus Maria (bei Cordoba) zum Gauchofestival und zur Jesuiten-Estancia in Santa Catalina.